PsychotherapieverbundUnterfranken

Gegendarstellung

Zur Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes

An Nina Warken CDU
Bundesministerin für Gesundheit

Gegendarstellung zur Pressemitteilungdes GKV-Spitzenverband

Lobbyverband verhöhnt Patient:innen und Psychotherapeut:innen – CDU/CSU schaut zu

In einer Zeit, in der weltweit das Vertrauen in demokratische Institutionen sinkt und die Glaubwürdigkeit öffentlicher Aussagen darüber entscheidet, ob unsere Gesellschaft diesen Institutionen weiter vertraut, ist dies ein besonders gravierender Vorgang: Ein zentraler Akteur des Gesundheitssystems verbreitet öffentlich verzerrte Darstellungen zu Lasten der Versorgung.

Der GKV-Spitzenverband, der Kürzungen von 4,5 % (mit noch höheren Nettoverlusten) maßgeblich vorangetrieben hat – und dem die CDU/CSU aktuell willfährig folgt – veröffentlichte am 31. März 2026 ein Pamphlet voller irreführender Darstellungen.

Damit verspielt der GKV-Spitzenverband seinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit im Gesundheitssystem und entlarvt sich als Akteur, der Patientinnen und Patienten schadet und gezielt falsche Narrative verbreitet.

Die zentralen Irreführungen im Überblick

Die wichtigsten Behauptungen der Pressemitteilung werden hier Punkt für Punkt überprüft – die Liste ließe sich noch um zahlreiche weitere Punkte ergänzen.

Behauptung

„4,5 % Kürzungen wurden Mitte März mit klarer Mehrheit beschlossen.“

Fakt

Die Entscheidung kam nicht durch eine breite, unabhängige Mehrheit zustande. Der GKV-Spitzenverband konnte seine Position gegen Widerstand durchsetzen, nachdem eine Pattsituation durch vermeintlich „Unabhängige“ aufgelöst wurde – Personen mit finanziellen Verbindungen zu Krankenkassen.

Forderung

Veröffentlichen Sie die genauen Abstimmungsergebnisse und legen Sie die Interessenkonflikte der „Unabhängigen“ offen.

Behauptung

„Jahresverdienst von künftig über 190.000 Euro“

Fakt

Diese Zahl ist keine empirische Größe, sondern eine modellierte Fiktion. Sie entsteht durch willkürlich definierte „Vollzeit“-Annahmen, die mit der realen Versorgungspraxis nichts zu tun haben.

Der Vergleich macht die Absurdität deutlich: Würde man in anderen Berufen jede Arbeitsminute als reine Kernleistung ansetzen, ergäben sich ebenso unrealistische Einkommen – Chirurgen im Dauer-OP, Lehrkräfte im durchgehenden Unterricht, Richter im permanenten Urteilssprechen.

Hier wird also kein tatsächliches Einkommen dargestellt, sondern ein theoretisches Maximalszenario – und dieses wird als Realität kommuniziert.

Bemerkenswert ist: Den Krankenkassen liegen reale Abrechnungsdaten zu tatsächlichen Einkommen vor. Diese werden jedoch nicht verwendet. Stattdessen wird auf modellierte Hochrechnungen zurückgegriffen, die ein verzerrtes Bild erzeugen.

Forderung

Veröffentlichen Sie die tatsächlichen empirischen Einkommensdaten und beenden Sie die Verwendung realitätsferner Modellrechnungen.

Behauptung

Die Honorare lägen rund 10 % über dem Durchschnitt ärztlicher Vergleichsgruppen.

Fakt

Hier wird kein valider Vergleich vorgenommen, sondern ein methodisch unhaltbares Konstrukt präsentiert:

Verglichen wird ein fiktives, maximal hochgerechnetes Einkommen für 2026 – basierend auf unrealistischen „Vollzeit“-Annahmen – mit realen Durchschnittseinkommen ärztlicher Praxen aus dem Jahr 2024 – also veralteten Daten, die die heutige Einkommenssituation nicht mehr abbilden.

Dabei wird nicht mit den maximal möglichen Einkommen der Ärzte verglichen, sondern gezielt mit dem Durchschnitt der am schlechtesten vergüteten Arztgruppen.

Selbst dieser Durchschnitt wird weiter nach unten verzerrt, indem willkürlich einzelne Leistungsbereiche aus den Umsätzen herausgerechnet werden.

Es entsteht kein Vergleich, sondern eine gezielte Konstruktion:
oben ein theoretisch aufgeblähtes Maximalszenario – unten ein künstlich abgesenkter Durchschnitt.

Ein solcher Vergleich ist unzulässig: als würde das Durchschnittstempo der langsamsten Fahrzeuge zum Maximaltempo erklärt – und anschließend weiter abgesenkt.

Die Absurdität wird noch deutlicher: Den Krankenkassen liegen aktuelle, reale Abrechnungsdaten zu tatsächlichen Einkommen vor. Diese werden jedoch nicht verwendet. Stattdessen wird auf modellierte, künstlich aufgeblähte Werte zurückgegriffen, die ein verzerrtes Bild erzeugen.

Das Ergebnis ist kein Befund – sondern ein politisch konstruiertes Narrativ.

Forderung

Nutzen Sie vergleichbare, aktuelle und empirische Daten – und legen Sie die Datengrundlage sowie die Berechnungsmethoden vollständig offen.

Behauptung

„Absenkung um insgesamt 2,3 %“ sowie Verweis auf erhöhte Strukturzuschläge

Fakt

Tatsächlich werden Honorarkürzungen von rund 4,5 % vorgenommen. Gleichzeitig wird argumentiert, dass diese Kürzungen durch erhöhte Strukturzuschläge „abgemildert“ würden – sodass angeblich nur noch eine Kürzung von 2,3 % verbleibe.

Dieses Argument ist irreführend: Der erhöhte Strukturzuschlag ist kein zusätzlicher Zugewinn, sondern lediglich die teilweise Rücknahme einer vorherigen Absenkung aus dem letzten Jahr.

Es handelt sich somit nicht um eine echte Entlastung, sondern um ein rechnerisches Nullsummenspiel.

Durch diese Konstruktion wird eine reale Kürzung von 4,5 % künstlich kleingerechnet und als deutlich geringer dargestellt.

Das ist kein transparenter Umgang mit Zahlen, sondern eine bewusste Verschleierung:
Eine tatsächliche Belastung wird durch interne Umbuchungen relativiert, ohne dass sich an der wirtschaftlichen Realität etwas ändert.

Forderung

Beenden Sie diese intransparenten Verrechnungskonstruktionen und legen Sie die tatsächlichen Nettoeffekte der Kürzungen offen.

Behauptung

72 % arbeiten nur in Teilzeit und stellen weniger Behandlungszeit bereit

Fakt

Diese Darstellung ist sachlich irreführend und ignoriert grundlegende Versorgungslogik:

Zwei Therapeutinnen oder Therapeuten mit halbem Kassensitz erbringen zusammen mindestens die gleiche – häufig sogar eine höhere – Versorgungsleistung wie eine Einzelperson mit vollem Sitz.

Die Gleichsetzung von „halbem Sitz“ mit „weniger Versorgung“ ist daher schlicht falsch.

Hier wird bewusst ein statistischer Begriff so dargestellt, als würde er reale Versorgungsleistung abbilden – obwohl genau das nicht der Fall ist.

Das Ergebnis ist kein Missverständnis, sondern eine verzerrte Darstellung der Versorgungssituation.

Forderung

Beenden Sie diese irreführende Gleichsetzung von Kassensitzanteilen mit tatsächlicher Versorgungsleistung und legen Sie belastbare Versorgungsdaten offen.

Fazit

Diese Pressemitteilung ist keine Information – sie ist Irreführung.

Durch verzerrte Vergleiche, selektive Zahlen und methodisch unhaltbare Konstruktionen wird gezielt ein falsches Bild erzeugt – zulasten der Versorgung und zulasten der Patientinnen und Patienten.

Die Verantwortung dafür ist politisch:
Wer diese Politik beschließt, trägt oder duldet, handelt gegen die Versorgung. Die CDU/CSU kann sich nicht länger hinter Verfahren oder Gremien verstecken.

Die Konsequenzen sind konkret: weniger Therapieplätze, längere Wartezeiten, schlechtere Versorgung für diejenigen, die sie am dringendsten benötigen.

Das ist kein Versehen. Es ist eine Entscheidung.

Und diese Entscheidung liegt in Ihrer Verantwortung, Frau Warken (CDU):

  • Nehmen Sie die Kürzungen vollständig zurück.
  • Beenden Sie die systematische Schwächung der ambulanten Psychotherapie durch Budgetierung.
  • Schaffen Sie Transparenz: Legen Sie Datengrundlagen, Berechnungen und Entscheidungsprozesse offen.
  • Sichern Sie die Weiterbildung – und beenden Sie die Umsetzung einer Reform ohne gesicherte Finanzierung.
  • Sichern Sie die Versorgung – statt sie weiter auszuhöhlen.

Sie tragen die Verantwortung für die Folgen, Frau Warken (CDU). Treffen Sie jetzt die richtige Entscheidung.