PsychotherapieverbundWürzburg
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Psychotherapeutische Verfahren

Es gibt vier anerkannte Verfahren, doch in der Praxis wird meist verfahrensübergreifend gearbeitet. Entscheidend ist vor allem die psychotherapeutische Haltung und Arbeitsweise der Psychotherapeut:innen.

Moderne, allgemeine Psychotherapie

Früher wurden psychotherapeutische „Schulen“ – wie Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse – deutlich voneinander abgegrenzt. Diese strikte Trennung gilt heute jedoch als nicht mehr zeitgemäß: Viele bewährte Methoden wurden schulenübergreifend übernommen, verfolgen vergleichbare Ziele und lassen sich sinnvoll miteinander verbinden.

Die moderne Psychotherapieforschung zeigt, dass vor allem allgemeine Wirkfaktoren entscheidend sind – etwa die Qualität der psychotherapeutischen Beziehung, gemeinsame Zielklärung, Ressourcenaktivierung oder das konstruktive Arbeiten an aktuellen Schwierigkeiten. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden kontinuierlich in die Praxis integriert, sodass sich moderne Psychotherapien dynamisch weiterentwickeln und meist schulenübergreifend arbeiten.

Auch wenn psychotherapeutische Verfahren bestimmte theoretische Annahmen treffen, entwickelt jede Psychotherapeutin und jeder Psychotherapeut ein eigenes Verständnis vom Menschen und vom psychotherapeutischen Prozess. Besonders entscheidend ist daher die individuelle psychotherapeutische Haltung – also die Art, wie jemand seinem Gegenüber begegnet und es wahrnimmt. Denn wie wir von anderen wahrgenommen werden, spielt im psychotherapeutischen Prozess eine zentrale Rolle: Diese Wahrnehmung beeinflusst die Selbstwahrnehmung und kann damit persönliche Entwicklung wesentlich fördern.

Viele Psychotherapeut:innen arbeiten heute im Sinne einer allgemeinen Psychotherapie: Sie orientieren sich an wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen, integrieren schulenübergreifend passende Methoden und gestalten ihr Vorgehen flexibel – abgestimmt auf Person, Anliegen und Behandlungsphase. Entscheidend ist daher häufig weniger das gewählte Verfahren als vielmehr die persönliche Passung zwischen Patient:in und Psychotherapeut:in.

Die in Deutschland anerkannten Richtlinienverfahren

In Deutschland sind vier psychotherapeutische Richtlinienverfahren sozialrechtlich anerkannt. Sie unterscheiden sich vor allem in ihren theoretischen Modellen. Diese Unterschiede sind jedoch in erster Linie konzeptioneller Natur und bilden die Behandlungspraxis nur begrenzt ab, da viele Psychotherapeut:innen im Sinne einer allgemeinen, integrativen Psychotherapie arbeiten und wirksame Ansätze schulenübergreifend verbinden.

Die Reihenfolge der Verfahren ist zufällig.

Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse)
Die klassische Psychoanalyse nutzt ein spezifisches, meist liegendes Setting und zielt auf den Zugang zu früheren Prägungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Aufdeckung innerer Muster und Beziehungserfahrungen. Sie folgt einem theoriegeleiteten Menschenverständnis, in dem Erkenntnisprozesse eine zentrale Rolle haben.
Systemische Therapie
Die klassische systemische Therapie betrachtet psychische Belastungen im Kontext sozialer Beziehungen und wechselseitiger Einflüsse. Der Schwerpunkt liegt auf Rollen, Perspektiven und Interaktionsmustern, um im jeweiligen sozialen Umfeld neue Handlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die klassische tiefenpsychologische Perspektive betont die Bedeutung früher Beziehungserfahrungen und innerer Konflikte. Sie geht davon aus, dass unbewusste Motive das gegenwärtige Erleben prägen und im psychotherapeutischen Dialog verstehbar und veränderbar werden.
Verhaltenstherapie
Die klassische Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Erleben und Verhalten durch Lernprozesse geprägt werden. Sie arbeitet veränderungsorientiert und integriert evidenzbasierte Methoden aus unterschiedlichen Traditionen, um hilfreiche Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster aufzubauen.

Auf den Profilseiten finden Sie Hinweise dazu, welche theoretischen Modelle angewendet werden und wie die jeweilige Person arbeitet.